Autor: magz

in planung: liebe in zeiten der schichtarbeit

ein notizheft von 1988: ein junges paar versucht, im asynchronen takt der schichtarbeit kontakt zu halten. ein fernfahrer berichtet von 33 jahren ehe, in denen er nur elf jahre zu hause war. und heute wartet jonas auf eine chat-nachricht von paula.

wahre geschichten über das senden und empfangen: die liebe zwischen abwesenden in den lücken, die die arbeit lässt.

premiere voraussichtlich am 24. 9. 2022 am ITZ tübingen

ausnahmezustand

ein klassenzimmerstück von christina kettering · uraufführung

inszeniert für das deutsche nationaltheater weimar

aktiv werden! – denkt sich marvin der bisher nichts mit politischem aktivismus am hut hatte. weder zu hause noch in seinem freundeskreis waren demos oder die »globale erwärmung« ein thema. bis auch marvin die zahlreichen katastrophenmeldungen, die beinahe täglich in die medienwelt katapultiert werden, wahrnimmt: hungerkrisen, umweltkatastrophen, ausnahmezustände. er beschließt, sich den wöchentlichen protesten anzuschließen und sein leben umzukrempeln: verzicht auf das neuste smartphone, vegane ernährung und weniger onlinegames – wegen der server!

so hat marvin an der seite von lea, die er auf den klimaschutzdemos kennenlernt, endlich das gefühl etwas bewirken zu können. gemeinsam für die gute sache einstehen! gegen die eigene ohnmacht ankämpfen!

doch dann stellt er in seinem neuen umfeld mehr und mehr widersprüche fest, die für ihn mit einem klimabewussten leben nicht vereinbar sind: sich vegan ernähren, ja, aber mit dem flieger auf die kanaren jetten? zunehmend wird marvin bewusst, dass er auf diese weise nicht die welt retten wird. und dass auf reden endlich taten folgen müssen, wenn er wirklich etwas verändern möchte.

marvin lässt schließlich die freitagsdemos mit den bunt bemalten schildern hinter sich und nimmt stattdessen die großen fische ins visier: die eigentlichen verursacher der co2-emissionen. so schließt er sich aktivist*innen an, die auch vor anschlägen nicht zurückschrecken… boom!

mit janus torp

regie und ausstattung: magz barrawasser

dramaturgie: lisa evers

regieassistenz: helen ehrhardt und michael loos

premiere war am 24. 03. 2022

bildnachweis für alle fotos: candy welz

der tatortreiniger

inszeniert für das prinz regent theater in bochum

in dagmar drexlers leben geht es zurzeit besonders turbulent zu: ein großer kongress, der vorbereitet werden muss, eine ehekrise, die auf eine scheidung zusteuert, eine vierjährige tochter, die sich weigert, ihre schlammhose anzuziehen. doch eigentlich müsste vor allem die beerdigung des unlängst verschiedenen schwiegervaters organisiert werden – und das ausgerechnet in der wohnung des verstorbenen, in der gerade heiko „schotty“ schotte – von beruf tatortreiniger – die nicht unerheblichen spuren des ablebens beseitigt.

mit „das freie wochenende“ bringt das prinz regent theater eine folge der kultserie auf die bühne und betritt so schwarzhumoriges neuland.

ergänzt wird der abend durch den monolog „knolls katzen“, in dem es wie in „das freie wochenende“ auf lustig-tragische weise um überforderung, verantwortung und zu viele klingelnde telefone geht.

ein abend mit maximilian strestik, laura thomas, manuel loos, michael kamp

regie: magz barrawasser
bühne: clara eigeldinger
kostüm: rabea stadthaus

regieassistenz: kerstin sommer
licht: dennis philipp


premiere war am 14. 12. 2021

bildnachweis für alle fotos: anna högerle / PRT

wasted

inszeniert für das landestheater detmold

ted, charlotte und dani sind als jugendliche gemeinsam um die häuser gezogen. inzwischen haben alle ihr eigenes leben und sehen sich nur noch selten. als der todestag ihres gemeinsamen freundes tony sich zum zehnten mal jährt, begegnen sich die drei wieder. konfrontiert mit der vergangenheit, hinterfragen sie auch ihre gegenwart. führen sie das leben, das sie sich als teenager herbeigesehnt hatten? im laufe einer gemeinsamen partynacht gestehen sich die drei nach und nach ein: um wirklich glücklich zu sein, müssten sie etwas verändern. berauscht werden entscheidungen gefällt und pläne geschmiedet. aber können die auch bei tageslicht bestehen?
kae tempests erstes theaterstück kreiert eine welt, in der scheinbar alles möglich ist. an dieser verheißung reiben sich die figuren ab und fragen sich: wie bleibt man angesichts dieser vielfalt an möglichkeiten handlungsfähig?

 

charlotte – ewa noack
dani – emanuel weber
ted – felix frenken

inszenierung – magz barrawasser / bühne und kostüm – victoria unverzagt / dramaturgie – laura friedrich / regieassistenz – pascal eller / video – marc lontzek

online-premiere war am 11. februar 2021

bildnachweis für alle fotos: marc lontzek

corpus delicti

inszeniert für das stadttheater bremerhaven

wir befinden uns im jahr 2070 in einem staat, dessen herrschaftsform sich „die methode“ nennt. diese legitimiert sich durch den unbedingten, kollektiven überlebenswillen jedes lebewesens: gesundheit ist das höchste ziel des staates. „die methode“ garantiert allen bürger*innen gesundheit, wenn diese sich dem regime von lückenlosen gesundheitskontrollen unterwerfen. da „die methode“ auf erkenntnissen der biologie basiert, ist sie unfehlbar. dies glaubt auch mia holl, musterbürgerin, 34 jahre alt. sie ist biologin und völlig unpolitisch -bis zu dem tag, an dem ihr bruder moritz, ein freiheitsliebender anarchist, durch einen DNA-test des mordes überführt wird und sich in folge dessen im gefängnis umbringt. das stürzt mia in einen schweren konflikt, weil sie einerseits als wissenschaftlerin dem DNA-test glauben schenkt, aber andererseits zutiefst überzeugt ist, dass ihr bruder kein mörder sein kann. diese zweifel machen sie ungewollt zur staatsfeindin. mia zieht verstößt mit ihren zweifeln gegen die regeln des systems, verweigert sich der obligatorischen gesundheitskontrollen. sie beharrt auf der unschuld ihres bruders und gerät dadurch ins visier der justiz und des chefideologen heinrich kramer…

was bedeutet es, ein mensch zu sein? welche unveräußerlichen rechte haben wir? diese fundamentalen fragen stellt juli zehs 2007 uraufgeführtes stück.

im kern geht es um die frage, ob das individuum ein recht auf absolute selbstbestimmung hat, also auch ein «recht auf krankheit», wie eine untergrundorganisation im stück heißt, oder ob der staat zum wohle aller dem einzelnen dieses recht absprechen darf. spätestens seit dem ausbruch der corona-pandemie muss man wohl niemandem erklären, warum diese frage jeden etwas angeht.

mit juliane schwabe, richard lingscheidt und max roenneberg

inszenierung: magz barrawasser
bühne & kostüme: rabea stadthaus
dramaturgie: peter hilton fliegel
regieassistenz: ana maria carreíra rodriguez
inspizienz: antonia klein

die premiere war am 18.9.2020

bildnachweis für alle fotos: heiko sandelmann / stadttheater bremerhaven

oleanna – ein machtspiel

inszeniert für das stadttheater bremerhaven

carol sitzt verzweifelt nach johns vorlesung im hörsaal. sie hat für ein referat über den lehrstoff seines seminars eine ungenügende note bekommen. john bietet ihr an, den stoff in seinem büro noch einmal durchzuarbeiten und anschließend ihre note in «bestanden» zu ändern. als sich ihre verzweiflung nicht legt, nimmt er sie tröstend in den arm.

zwei wochen später, selber ort: was aus sicht des professors ein zwar nicht regelkonformes aber gut gemeintes hilfsangebot war, sieht aus der sicht der studentin ganz anders aus. johns verhalten wertet sie als paternalistisch, das angebot, zur nachhilfe in sein büro zu kommen, als annäherungsversuch und den arm um ihre schultern als sexuelle belästigung. also hat sie sein verhalten der antidiskriminierungsstelle der hochschule gemeldet. jetzt geht es für john, dessen berufung zum ordentlichen professor gerade bevorsteht, um alles oder nichts. er bearbeitet carol, die anzeige fallen zu lassen. sie geraten in streit.

wie immer bei david mamet hängt alles am richtigen gebrauch der worte. was hat john wirklich gesagt beim ersten gespräch? wie hat carol es verstanden? wie unterschiedlich ist die wahrnehmung zweier menschen von ein und demselben ereignis?

das 1992 uraufgeführte stück, das auf einem wahren fall basiert, ist gerade von einer offensichtlichen aktualität.

premiere war am 31.5.2019 im hörsaal M200 der hochschule bremerhaven, inszeniert für das stadttheater bremerhaven

 

inszenierung und ausstattung: magz barrawasser

dramaturgie: peter hilton fliegel

mit: juliane schwabe und kay krause

regieassistenz: luise peters

bildnachweis für alle fotos: heiko sandelmann / stadttheater bremerhaven

judas

inszeniert für das staatstheater augsburg

im sommer 2019 mit pirmin sedlmeir

ab herbst 2019 mit roman pertl

er hat einen namen, den jeder kennt und den er selber nie ausspricht. seit zweitausend jahren ist sein schicksal untrennbar mit dem von jesus christus verbunden, den sie messias nannten und doch an ein kreuz nagelten. jetzt aber spricht er – nicht als entschuldigung, nicht als rechtfertigung. sondern um sich heranzureden an den verrat an seinem besten freund, meister, heiland. judas kann charmant sein, selbstreflektiert, aber er wütet auch und verzweifelt. er ist mensch wie wir und soll doch auch prinzip sein, lebendiger dualismus – ohne licht kein schatten, ohne judas kein jesus. Ein kuss, eingebrannt auf die eigene netzhaut, der den lauf der welt verändert hat.

»judas« wurde 2007 ur- und 2012 in deutschland erstaufgeführt, seitdem läuft das stück aus der feder der erfolgreichen niederländischen autorin lot vekemans in zahlreichen städten. in augsburg zieht der monolog für das staatstheater im sommer 2019 direkt vor eine der geschichtsträchtigsten kirchen der stadt, ab herbst 2019 wird das stück in verschiedenen kirchenräumen zu sehen sein.

premiere war am 18.5.2019 auf dem westchor der moritzkirche in augsburg, inszeniert für das staatstheater augsburg

inszenierung, bühne, kostüm: magz barrawasser

dramaturgie: kathrin mergel

mit: pirmin sedlmeir / roman pertl

assistenzen: eva-marie stillger (regie), celia hofmann (ausstattung), florian mahlberg (regie)

bildnachweis für alle fotos: jan-pieter fuhr / staatstheater augsburg

ungefähr gleich

inszeniert für das schauspiel essen

ein job mit fettem gehalt, hübscher sekretärin und firmenwagen – das wär‘s doch. andrej hat am abendkolleg den kurs „grundlagen von wirtschaft und marketing“ belegt und ist nun fest entschlossen, endlich „das system“ kennenzulernen und sich seinen platz darin zu sichern. nicht wie peter, dieser schnorrer, der mit sicherheit kein obdachloser, sondern ein betrüger ist. das system von innen heraus zu verändern, dazu ist wiederum mani fest entschlossen und versucht, den studierenden in seinen vorlesungen das genie und den wahnsinn in vergessenheit geratener ökonomen zu vermitteln. martina träumt unterdessen davon, die stadt endlich hinter sich lassen zu können, um auf dem land als öko-selbstversorgerin zu leben. doch mit dem job im tabakladen wird sie das geld dafür wohl nicht zusammen bekommen. und dann ist da noch diese zweite martina in ihrem kopf, die nicht mehr warten will, sondern nehmen – nehmen, was ihr doch genauso zusteht wie den anderen auch! freja schließlich würde sprichwörtlich über leichen gehen, nur um wenigstens ihren alten job zurückzubekommen.

jonas hassen khemiri, einer der bekanntesten gegenwartsautoren schwedens, exerziert diese zumutung einer zur markthalle gewordenen welt an den erzählerisch kunstvoll verzahnten schicksalen von fünf menschen durch, die den anschluss an die ökonomische entwicklung längst verloren haben und sich im spannungsfeld zwischen unterordnung und rebellion dazu verhalten müssen.

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premiere war am 30.11.2018 im schauspiel essen

inszenierung: magz barrawasser

bühne und videografie: friederike külpmann

kostüm: rabea stadthaus

dramaturgie: carola hannusch

mit: philipp noack, sven seeburg, alexey ekimov, stefan migge, henriette hölzel, melanie lüninghöner, kalle spies

bildnachweis für alle bilder: matthias jung / theater und philharmonie essen

pussy riots

inszeniert und geschrieben für das schauspiel essen

*eingeladen zum heidelberger stückemarkt 2018*

am morgen des 21. februar 2012 stürmen fünf junge frauen in die christ-erlöser-kathedrale in moskau und verrichten ein gebet – ein punk-gebet. „mutter gottes, jungfrau, verjage putin!“ rufen sie und fordern damit die ganze härte eines quasi-autokratischen staates heraus: nadeschda tolokonnikowa und zwei ihrer mitstreiterinnen werden für die gewaltfreie aktion wegen „rowdytum aus religiösem hass“ zu zwei jahren arbeitslager verurteilt. das urteil schlägt weltweit hohe wellen. über nacht werden aus den aufständischen punk-musikerinnen gefeierte „putin-kritikerinnen“. aber es geht um mehr als putin, tauchen neben ihm doch auch „mutter“, „gott“ und „jungfrau“ in der entscheidenden zeile des punk-gebetes auf.

der kampf der pussy riot-frauen ist ein feministischer, ein kampf gegen eine patriarchale ordnung, in der eine von männern dominierte verquickung von religion und politik den ton angibt. es ist ein kampf gegen phallozentrismus, homophobie und gender-normen, die den alltag nicht nur in russland fest im griff haben.

premiere (UA) war am 15.06.2017 am schauspiel essen

mit: silvia weiskopf, jaela carlina probst, katharina goebel

inszenierung: magz barrawasser

text: magz barrawasser und florian heller

bühne und kostüm: johanna denzel

musik: anke wisch

dramaturgie: florian heller

 

                  

bildnachweis für alle bilder: diana küster / theater und philharmonie essen