kurze gedanken zu gesehenem

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6. – 9. 2.

4 tage konferenz der dramaturgischen gesellschaft. 4 tage vollgestopft mit spannenden neuen gedanken, theater, selbstreflektion, ballett, in frage stellen von strukturen und dem kollektiven erahnen von antworten und deren umsetzung. das alles auch noch in einer tolle stadt! auf der rückfahrt habe ich das gefühl, dass mein gehirn einige kubikmeter größer geworden ist.

das diesjährige konferenzthema lautete „COMM ON. Allies, Activists and Alternatives in European Theatre.“

ein so diverses podium, das platz zum mitreden ließ, in gebärden und deutsch übersetzt wurde, habe ich in der theaterwelt lange nicht mehr erlebt.

es gibt noch viel zu tun, aber es gibt zum glück auch schon anfänge.

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31. 1.

ich schaue mir die premiere von die 39 stufen am staatstheater darmstadt an. 5 leute spielen gut 100 rollen in einem bühnenbild, das wirkt, als hätte sich das team mit viel spaß die freiheit genommen einfach mal alles, was man immer schon mal auf der bühne haben wollte, rauszuhauen. so entstehen lustige und abstruse momente, witzige bilder und ein kurzweiliges auf und ab, das gut vergessen lässt, dass die vorlage inhaltlich nicht so wahnsinnig viel her gibt.

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24. 1.

faust am prinz regent theater in bochum ist (wie meist, so auch heute) ausverkauft, das publikum ist begeistert. die inszenierung ist solide, das ensemble spielt gut. trotzdem gehe ich mit einem fragezeichen raus: warum wird heutzutage „faust“ noch gespielt?

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17. 1.

am landestheater detmold gibt es mit momentum einen gut inszenierten, psychologisch spannenden theaterabend über die tücken der macht zu sehen. der text von lot vekemans schafft es mit fast schon philosophischen ausflügen dem thema tiefe und raum zum mitdenken zu geben. sehenswert!

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2. 1.

linie 1“ am grips theater kenne ich schon seit kindertagen. live greifbar und im übertragenen sinne passend wurde das stück für mein leben in der zeit, in der ich zum studium nach berlin zog und dort recht schnell beschloss, lieber praktisch statt geisteswissenschaftlich im und mit dem theater zu arbeiten. der zufall schickte mich damals ins grips, wo ich von da an immer wieder als gast arbeitete und die „linie 1“ oft von den mitarbeitsplätzen angucken konnte. heute wie damals: erinnerungen, kitsch und kult! gebannt sitze ich in der 1.924 vorstellung dieses klassikers.

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23. 12.

alle jahre wieder: „hänsel und gretel“ als oper ist mittlerweile schon fast teil meiner weihnachtstraditionen geworden. dieses jahr schaue ich es mir in der essener oper an und muss mich zusammenreissen, nicht laut mitzusingen. auch wenn es mir oft schwer fällt, den theaterblick nicht auf die oper anzuwenden, hat die innere regisseurin gerade einfach mal winterpause.

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11. 12.

öffentliche proben kenne ich vorallem vom regie-tisch aus, doch es ist spannend, als zuschauerin den kolleg*innen am schauspiel essen schon vor der premiere von peer gynt  über die schulter schauen zu dürfen

– aber natürlich verrate ich noch nichts! die premiere ist am 13.12.

toi toi toi!

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4. 12.

demut vor deinen taten, baby habe ich vor einigen jahren selber inszeniert, so dass mir das wiedersehen mit den figuren am landestheater schwaben in memmingen großen spaß macht. ein toller text! spannend, die lesart von anne verena freybott zu sehen und neue gedanken zu sehr vertrautem mitnehmen zu könnne.

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30. 11.

die premiere von frauensache am staatstheater karlsruhe schafft, wonach sich manche inszenierung sehnt: auf der premierenfeier wird heiß über die thematischen diskurse des stückes diskutiert. die inszenierung hat für mich zwar einige schwachstellen, aber dieses stück ist wichtig, notwendig und hochaktuell.

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29. 11.

zusammen mit meinen nichten schaue ich mir im wackelzahn theater in hamburg ottensen die liebevoll und musikalisch gestaltete vorstellung von pinocchio an.

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21. 11.

die premiere von drei haselnüsse für aschenbrödel macht meinem inneren kind und meiner äusseren regisseurin gleichermaßen spaß!

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wow. so viel theater in so wenigen tagen! ich glaube, jetzt geh ich einfach mal ins kino und gucke einen blockbuster. das muss auch mal sein.

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15. 11.

bei der mensch – eine fast vollständige geschichte lerne ich das prinz regent theater in bochum kennen und bin direkt fan. der abend ist gut inszeniert, sehr schön ausgestattet und im großen und ganzen empfehlenswert! (ich wäre auch mit etwas weniger „männer und frauen sind so und so“ ausgekommen, aber das ist eher nebensächlich durch den stimmigen rest)

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14. 11.

ich bin wieder zu gast im publikum des landestheaters in detmold und schaue mir fräulein julie an – zum ersten mal. bisher ist dieser strindberg erstaunlicherweise an mir vorbei gegangen. der abend ist gut gespielt und nimmt mich durch die intimität des raumes mit in die abgründe der figuren, die ich abwechselnd bemitleiden will und verstehen kann.

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12. 11.

bei der lesung eure heimat ist unser albtraum finden die autor*innen im rahmen des literatürk-festivals auf der bühne der casa am schauspiel essen kluge und klare worte, um ihre perspektive auf das zuhause fühlen in deutschland zu beschreiben. danke für den vorgehaltenen spiegel.

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10. 11.

in der ausgesprochen schönen aussenspielstätte im e-werk zeigt das dnt weimar die uraufführung des romas brüder und schwestern  in der bühnenfassung von christian tschirner. leider bleiben die figuren für mich zweidimensional, ihre sorgen und gedanken schaffen es nicht, mich emotional zu erreichen – möglicherweise, weil ich als westdeutsche, die zur wende erst 5 jahre alt war, an vieles nur theoretisch anknüpfen kann? spannend, in den gesprächen nach der premiere festzustellen, wie unterschiedlich ost- und west-geprägte menschen das stück wahrnehmen.

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8. 11.

die premiere von harold und maude am hans otto theater potsdam begeistert das publikum. mir fehlt zwischen viel komödienhaftem die melancholie der figuren.

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5. 11.

zum zweiten mal bringe ich gemeinsam mit meinem kleinen team judas am staatstheater augsburg zur premiere. selber monolog, anderer schauspieler, anderer raum – und viele berührte, positive rückmeldungen, die beschreiben, dass sie diese variante der inszenierung ganz anders erreicht hat als die open air version im sommer auf dem moritzplatz. es ist toll, die nuancen des stückes offenbar gut ausgelotet zu haben und ich freue mich, dass roman pertl und ich diesen monolog ein weiteres mal gemeinsam durchdringen konnten.

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3. 11.

gleich zwei mal gab es heute was zu gucken:

der zauberer von oz erfreut in der augsburger puppenkiste mein inneres kind, amadeus im staatstheater augsburg schärft meinen erwachsenen regieblick.

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2. 11.

von der performance ernst am staatstheater augsburg habe ich mehr erwartet: mehr projektionsfläche für meine eigenen gedanken zum themenkomplex familie/erbe/spaltung, mehr metaphorische momente. es ist zwar kurzweilig, dem performancetrio um gitty von gandar zuzuschauen, doch schafft es wenig von dem, was sie berichten, mich in ihre welt mitzunehmen.

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1. 11.

ich bin fan des landestheaters schwaben in memmingen! die premiere von der reisende bestätigt mir meine begeisterung durch eine klare, mutige, schonungslose inszenierung von kathrin mädler.

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26. 10.

die premiere von der stein am schauspiel essen bringt ein gut erzähltes, filigran gespieltes stück auf die bühne, dass 60 jahre deutsche geschichte und die lebensgeschichten von fünf frauen geschickt verwebt und hinterfragt. „ein guter theaterabend“ klingt nach so wenig, aber mir gefällt sehr gut, dass die inszenierung die figuren in den vordergrund stellt, keine überfrachteten metaebenen überstülpen muss sondern klar und eindringlich ein thema und eine aussage verfolgt.

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18. 10.

bei der solide inszenierten premiere von cabaret am hans otto theater in potsdam stelle ich wieder fest, dass ich das musical zwar durchaus mag, mir aber oft die auseinandersetzung mit den rollenbildern fehlt, die sich zwischen 1930 und heute durchaus verändert haben (sollten). muss sally bowles auch 2019 noch gesagt bekommen „du musst nicht mehr arbeiten gehen. du hast doch jetzt eine andere karriere vor dir: du wirst mutter!“ ?  und wieso trägt sie eigentlich nahezu durchgehend nur unterwäsche? es ist gut und wichtig, dass das stück in zeiten der erstarkenden rechten viel gespielt wird, allerdings ist das finde ich nicht die einzige baustelle, zu der sich die theater mittels stückinterpretation äussern könnten.

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16. 10.

in der westfalenhalle in dortmund bringt die band „seeed“ den saal zum kochen. während um mich herum zwanzigtausend leute tanzen stelle ich belustigt fest, dass mein hirn sofort in den regiemodus umschaltet, sobald ich vor einer bühne stehe: die show ist gut inszeniert, hat einen mitreissenden spannungsbogen und das bühnenbild ist in seiner scheinbaren einfachheit technisch hochkomplex und gut durchdacht.

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12. 10.

was ihr wollt am DT göttingen beeindruckt mich durch die perfekte balance zwischen inhalt, aktuell interpretierter aussage, nonsense, sprechtheater und bildgewalt. sehr empfehlenswert!

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10. 10.

die junge regisseurin tabea n. schattmaier bringt mit dem ruhrfaust eine kurzweilige, augenzwinkernde pott-variante des klassikers im theater freudenhaus zur premiere.

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5. 10.

am westfälischen landestheater in castrop-rauxel hat die romanadaption blackout premiere. die inszenierung schafft es leider nicht, mir das durchaus brisante thema nah zu bringen (ein cyberanschlag legt das europäische stromnetz lahm) – trotzdem ist es schön, eine freundin und deren arbeit für das kostümbild der inszenierung zu feiern.

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3. 10.

am schauspiel essen lädt der reichsbürger in seinen keller ein und erzählt seine sicht auf die „brd gmbh“. erschreckend, wie nachvollziehbar seine gedanken sind und wie brüchig mir danach unser system vorkommt – glücklicherweise ziehe ich aber dennoch andere schlüsse daraus als er.

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auch theatermenschen können (müssen!) sich mal gekonnt abgrenzen.

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2. 10.

wenn ich schreibe, dass maria stuart am landestheater detmold nur die geschichte der beiden königinnen erzählt, klingt das wenig angetan. das gegenteil ist aber der fall: die inszenierung konzentriert sich als emotionales ensemblestück angenehm auf das wesentliche, beleuchtet die mechnismen der staatsführung, kommt ganz ohne übergestülpte aktualisierungen aus – und ist dabei hochaktuell.

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28. 9.

die premiere von der biberpelz am stadttheater bremerhaven macht spaß und lädt zum nachdenken über politische verstrickungen ein. isabel zeumer intrigiert als frau wolff so sympatisch und geschickt, dass ich mir fast wünsche, sie zur nachbarin zu haben – aber nur, wenn ich in ihr untergründiges netzwerk passe…

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13.9.

die premiere von macbeth eröffnet am hessischen landestheater marburg die neue spielzeit und lässt eine thematisch vielseitige, anspruchsvolle, aussagekräftige saison erahnen.

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5.-8.9.

das theaterfestival at. tension belebt alle zwei jahre einen alten flugplatz an der müritz mit performances, theater, konzerten, zirkus, straßentheater, walking acts…. kreativität sprudelt aus allen winkeln des areals und es macht spaß, sich darüber treiben zu lassen.

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landauf, landab wird es ruhig in den theatern – schöne und wohlverdiente spielzeitpause euch allen!

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7. juli

bei don’t worry be yoncé gibt es am schauspielhaus bochum popfeminismus at its best zu sehen: bissig, lustig, politisch, klug. beyoncé ist, was du daraus machst!

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4. juli

in kooperation mit monstertruck und dem lebenshilfe e.V. bringt das schauspielhaus bochum mit „marat/ sade“ ein gut gemachtes, anarchisches stück auf die bühne, dass die frage nach integrativem theater zwar stellt, aber sich (sehr wohltuend) nicht für meine antwort interessiert.

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28. juni

es ist spannend sich anzuschauen, wie andere menschen texte umsetzen, die auch ich schon bearbeitet habe. bei judas am schauspielhaus bochum wird deutlich, dass johann simons und ich völlig unterschiedliche gedanken, metaphern, zugriffe und verbindungen zu text und figur entwickelt haben. interessant, wie unterschiedlich worte (nach)klingen können.

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19. juni

die großartige insa jebens bringt mit der ursprung der liebe einen selbstinszenierten, klugen, witzigen, vielseitigen, politischen monolog auf die bühne des landestheaters tübingen, der auf einem sehr guten comic basiert. wer sich nicht vorstellen kann, wie das gehen kann ohne albern, absurd oder belehrend zu wirken, sollte unbedingt nach tübingen fahren. und alle anderen auch!

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19. juni

im museum der universität tübingen wird bis dezember noch die kleine aber feine austellung ex machina gezeigt, in der maschinen nach den notizen von leoanrdo da vinci zum anschauen und ausprobieren ausgestellt sind. mich fasziniert der vielseitige künstler seit langem und es macht spaß, sich in seinen kopf hinein zu denken, der seiner zeit in vielem vorraus war.

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18. juni

hamlet am schauspielhaus bochum verdient alle lorbeeren, die nach der premiere in den medien verteilt wurden. ein enorm gut gespielter ensembleabend (was ja bei einem hamlet ja nicht unbedingt selbstverständlich ist) !

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30. mai

brand ist eine familiengeschichte, die das publikum gemeinsam mit den charakteren die jahren 1950 bis 2009 erleben lässt. die inszenierung in bremerhaven gefällt mir ästhetisch, doch fehlt mir emotionale tiefe in den figuren, mit der ich die höhne und tiefen miterleben könnte.

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23. mai
cabaret am stadttheater bremerhaven bietet alles, was man sich für eine cabaret-vorstellung wünscht – schicke kitkatgirls&boys, schöne lieder, gute choreographien – allerdings auch nicht mehr als das, so dass ich zwar gut unterhalten, aber nicht mit neuen gedanken oder ansichten zum bekannten stoff aus dem theater gehe.

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26. april

der stumme diener am schauspiel essen wird in der inszenierung von tabea nora schattmaier zu einem philosophischen gangster-kammerspiel. der abend macht spaß und entlässt mich mit einigen grundlegenden fragen zur sinnsuche im menschlichen leben.

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3. april

wir sind die neuen am stadttheater bremerhaven dreht den generationskonflikt um und es macht mir spaß, in den feinheiten der inszenierung humor und handschrift meiner tollen regiekollegin anne spaeter wieder zu entdecken.

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20. märz

mein inneres kind freut sich, denn „der kleine wassermann“ ist in der (als kind von mir heiß geliebten) augsburger puppenkiste so detailreich ausgestattet, gekonnt inszeniert und so schön erzählt wie ich es mir gewünscht habe. der zauber bleibt bestehen!

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12. märz

ich schaue mir supergute tage am landestheater schwaben an und freue mich, damit ein neues haus mit spannendem, vielfältigen, aussagekräftigen spielplan kennenzulernen. der ausflug beweist es wieder: die sogenannte provinz ist auch in der theaterlandschaft oft so viel spannender als ihr ruf!

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2. märz

das schauspiel essen hat nun mit cash eine sehr gut gebaute boulevardkomödie im repertoire. in der premiere fliegen türen auf und zu, menschen auf alle möglichen körperteile, gegenstände durch die gegend. es wird verwechselt und getrickst und das publikum lacht sich kaputt. ich teile den humor nur bedingt, freue mich aber über die handwerkskunst des ensembles.

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23. februar

felicia daniel gibt mit am boden ihr regiedebut am schauspiel essen und lässt die kampfpilotin, die vom himmel in die chairforce versetzt wird, so lebendig werden, dass ich in der premiere alle leidenschaft für diesen beruf verstehen lerne.

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2. februar

der kleistförderpreis geht dieses jahr an peter thiers, der mit „warten auf sturm“ einen dystopischen blick in ein (unverortetes) bergwerk und damit auf harte, verschleissende arbeitsstrukturen wirft. spannend, im theaterhaus jena die (sehr gut eingerichtete) erste szenische lesung des stückes mitzuerleben!

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1. februar

im rahmen der konferenz der dramaturgischen gesellschaft, bei der ich als zaungast viele spannende impulse bekomme, kann ich mir die premieren von „trutz“ und „wilhelm tell“ im deutschen nationaltheater weimar angucken. beide stücke durchleuchten das politische system ihrer zeit und leuten damit spannend und vielschichtig die „woche der demokratie“ in weimar ein.

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31. januar

im theaterhaus jena stellt die zauberhafte lizzy timmers im „deutschkurs“ mit viel witz, feingefühl und völlig ohne kitschigem heischen nach mitleid die schwere frage nach integration in einem fremden land. mir gefällt gut, dass dieser abend völlig ohne geheuchelte integrationsfloskeln auskommt, metaphorische situationen statt überstrapazierte klischees nutzt und dadurch auf wohltuend ehrliche weise berührt.

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25. januar

die prinzessinendramen im DT wurde von einem sehr jungen team bunt und schnell auf die bühne gebracht. mir fehlte in der umsetzung die angebundene tiefe ziwschen text und aktionen, dennoch freue ich mich, dass das göttinger publikum diese inszenierung bekommen hat. gut so! mehr davon.

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23. januar

hagen rether gibt ein gastspiel in der essener lichtburg: 3 stunden scharfsinnigste textfläche. am ende des abends bin ich übervoll, überfordert und überaus beeindruckt. das faszinierendste ist für mich, dass hagen rether eigentlich einfach nur schnörkellos beschreibt, was in dieser gesellschaft gerade vor sich geht – und das alleine ist schon so absurd, dass es keinerlei angeschafften witz braucht, um mir das lachen darüber zu ermöglichen und es mir gleichzeitig im hals stecken bleibt.

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20. januar

der sandmann im düsseldorfer schauspielhaus – was bleibt zu sagen? robert wilson strikes again!

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19.januar

die DSE von „diese mauer fasst sich selbst zusammen und der stern hat gesprochen, der stern hat auch was gesagt“ am hessischen landestheater marburg begeistert mich: ein tiefsinniger, anregender, lustiger, gedankenvoller text, der trotz aller verworrenen komplexität von eva lange und ihrem ensemble mitnehmend und logisch zur premiere gebracht wurde.

(und auch wenn namedropping meist nicht meins ist sei an dieser stelle gesagt: falls jemand schon einen fanclub für anke stedingk gegründet hat: ich möchte bitte beitreten!)

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17. januar

in der neu eröffneten spielstätte des staatstheaters augsburg schaue ich mir „europe central“ an, ein bildgewaltiger epos im sudiobühnenformat. auch wenn ich über die lange stückdauer den überblick über figuren, beziehungen und handlung oft verliere, kann ich immer wieder assoziativ an bilder oder textpassagen anknüpfen und mich ein stück mitnehmen lassen.

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5. januar

immer wieder ist es schön, ganz neues zu entdecken und davon begeistert zu werden. talk radio war mir bis dato unbekannt und entpuppte sich als ein gut inszenierter, nuanciert gespielter, spannender und nicht zuletzt fantastisch geleuchteter theaterabend in bremerhaven!

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4. januar

die nora in bremerhaven bringt ibsens klassiker in die neuzeit, denn der gedanke «ich muss herauskriegen, wer recht hat, die gesellschaft oder ich» ist heute wie damals aktuell und wichtig.

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14. dezember

ein großer aufbruch am grillo ist solide inszeniert und gespielt, aber das verhalten der figuren entspricht so gar nicht meinen ideen von freundschaft und selbstbestimmtem leben. ich ärgere mich richtig gehend darüber! – wie schön! denn theater darf und soll ja sogar gerne dafür sorgen, dass ich mein leben und meine ideale unter die lupe nehme – und in diesem fall bin ich mit der inneren betrachtung sehr zufrieden.

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5. dezember

tschick am schauspiel essen ist auch nach jahren immer noch eine meiner lieblingsinszenierungen.

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3. dezember

die offene probe von der dachs hat heute schlechte laune macht meinem inneren kind große freude.

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25. november

um meinem kopf in den endproben ruhe und inspiration zu bieten spaziere ich durch die ständige sammlung des folkwang museums. auf dem weg begegne ich einem ungefähr vierjährigen kind, das hinter seinen eltern her ebenfalls durch die ausstellungsräume spaziert. das persönchen stellt sich in die mitte eines raumes voller etwas abstrakter, bunter malerei, deutet der reihe nach mit dem fingerchen auf alle bilder und kommentiert zielsicher: „das ist krickelkrackel. das ist krickelkrackel. das ist auch krickelkrackel.“

kunst ist eben gleichermaßen handwerk und geschmack.

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11. november

die parallelwelt am theater dortmund setzt neue maßstäbe in sachen videotechnik: schöne bilder, technisch interessante verschneidung von zwei parallel laufenden vorstellungen, aber unterm strich geht für mich der doch eigentlich darunter liegenden philosophischen diskurs auf dem glasfaserkabelweg zwischen berlin und dortmund verloren. schade.

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4. november

zum zweiten mal innerhalb kurzer zeit begegnet mir die kunst von dan perjovschi und ich bin begeistert von seiner scharfen beobachtung unserer gesellschaft.

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2./3. november

im central des düsseldorfer schauspielhauses werden im rahmen des symposiums „wonderlands – führungspositionen in den performing arts“ die aktuellen zustände an deutschsprachigen bühnen untersucht. analysen und impulse sind in panels und vorträgen treffend formuliert, die teilnehmer*innen sind sich über die missstände einig – aber bei mir bleibt die frage zurück: wo sind diejenigen, mit denen wir diese diskussionen führen müssen?

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31. oktober

die performance „dasnulltemoment“ von lex rütten seziert die rituale einer party, stellt sie aus und damit bloß: die suche nach katharsis, zugehörigkeit, wandel und exzess hinterlässt wenn das licht angeht doch oft nur blasse menschen in einem kalten raum. mir macht es spaß, teil des gut durchdachten experimentes zu sein und als mehrwert inspiriert durch lex rütten die rituale einer performance-premiere im jungen dortmunder künstler*innenkreis zu beobachten.

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12. oktober

die premiere von biografie – ein spiel trifft meinen theatergeschmack zwar nicht, aber die frage, was man im leben anders machen würde wenn man könnte und wie diese veränderungen das leben beeinflussen, ist durchaus interessant und wird mit der inszenierung ihr publikum finden.

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6. oktober

am schauspiel essen wird mit der premiere von auerhaus ein bewegendes thema mit einem sehr guten ensemble auf die bühne gebracht.

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5. oktober

die premiere von a clockwork orange entlässt mich mit rammstein-ohrwürmern und intensiven bildern im kopf in den herbstabend. ein beeindruckend guter hauptdarsteller (nahuel häfliger) schleudert knapp 2 stunden lang so brachiale gewalt von der bühne, dass ich selber beginne innerlich abzustumpfen. die frage, ob sich das dem menschen innewohnende böse überwinden lässt, wird an diesem abend klar beantwortet…

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3. oktober

die öffentlicht hauptprobe von die hauptstadt am schauspiel essen entlässt mich mit einigen fragezeichen im kopf in den herbstabend. ich werde nach der premiere nochmal wieder kommen und das stück ein zweites mal anschauen. bisher haben mich die arbeiten von hermann schmidt-rahmer durch ihre vielschichtigkeit beeindruckt und ich habe den ehrgeiz, im stück noch mehr ideen und aussagen zu entschlüsseln.

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21. september

mit ulrike maria stuart eröffnet des hessische landestheater marburg die spielzeit unter neuer intendanz. ich freue mich jetzt schon darauf, dort die spannende handschrift der beiden intendantinnen verfolgen zu können, die mit klaren politischen, künstlerischen zielen freundlich und bestimmt an den start gehen.

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19. september

exodos von sasha waltz and guests gehört zu den besten bühnenerlebnissen, die ich in den letzten jahren hatte. das ensemble schafft es mit scheinbarer leichtigkeit, eine ungemein freundliche, umschließende atmosphäre in die jahrhunderthalle zu bringen und beeindruckt mich mit seiner intensität, kraft, feinfühligkeit und dem deutlich spürbaren kollektiv.

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15. september

blaKKKlansman ist zunächst für mich nur popcornkino, doch die letzten minuten des films verändern meinen eindruck komplett. sie sorgen dafür, dass ich noch länger mit freund*innen über den film und die realität spreche. wir werden uns allerdings nicht einig, ob dies den film nun sehenswert macht oder ob es „nur“ gut gemachte effekthascherei ist. ich bin mir nach wie vor nicht sicher…

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24. august

während der performance im rahmen der ruhrtrienale erschließt sich mir black privileges kaum. die gespräche danach und meine recherche zur arbeit der tänzerin, choreographin und aktivistin mamela nyamza setzen ein bild zusammen, dass durchaus interessant und tiefsinnig ist.

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23. august

im rahmen der ruhrtrienale sehe ich die premiere von nordstadt phantasien in dortmund. leider erfüllen sich meine befürchtungen in diesem thematisch unkonkreten, elitären, künstlerisch uninspirierten und (was mich sehr ärgert) vollkommen unpolitischen abend – schade! so viele verschenkte chancen!

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18. august

das nationaltheater weimar eröffnet die spielzeit mit macbeth und ich genieße es, nach der spielzeitpause wieder teil eines premierentrubels zu sein.

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5. august

die große retrospektive „the cleaner“ in der bundeskunsthalle in bonn zeigt das künstlerische schaffen von marina abramovic in all seinen facetten. mit manchem kann ich überhaupt nichts anfangen, ärgere mich sogar darüber, doch gerade ihre frühen arbeiten berühren mich auf vielen ebenen sehr tief. ich bin beeindruckt von ihrem radikalen kunstverständnis und ihrem schonungslosen umgang mit dem publikum und sich selbst.

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2. august

ein ausflug in die sternwarte bochum ist im weitesten sinne auch ein theatrales erlebnis. es macht spaß, staunend unter der kuppel zu sitzen und einen winzigen bruchteil an verständnis für die weite des alls, die physikalischen zusammenhänge und den menschlichen drang nach ordnung und verständnis mit nach hause zu nehmen.

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14. juli

kaspar im ludwigforum aachen bringt einen älteren text zwischen neue kunst auf die sehr reduzierte bühne – interessante sprache!

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29. juni

zusammen mit kolleg*innen schaue ich mir moby dick im theater rambazamba in berlin an. die ausstattung ist reizvoll, doch der kampf von kapitän, wal, gezeiten und männlichkeit schafft es nicht, mich zu berühren.

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28. juni

„DO’s and DON’Ts – eine Fahrt nach allen Regeln der Stadt“ ist die essener variante einer performance von rimini protokoll. die fahrt macht spaß, immer wieder bietet die realität vor dem truckfenster zufällige theatermomente – trotzdem habe ich mir währenddessen eine sorgfältigere dramaturgie der themen und texte gewünscht und nehme wenig neue gedanken mit nach hause.

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16. juni

mit einem rauschenden abschiedsfest endet die intendanz von matthias faltz in marburg. weil auch ich hier einige jahre meines lebens verbracht und die theaterwelt mit allen höhenflügen und abgründen kennegelernt habe, feiere ich mit und genieße die reise in die vergangenheit.

„der vorhang zu und alle fragen offen“ – naja, nicht alle. aber ob das theater die welt retten kann wissen wir immer noch nicht. schön, dass es hier in marburg aber unter der neuen intendanz weiter probiert werden wird! ich bin sehr gespannt.

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13. juni

das riesige laienensemble von „schule in bewegung“ bringt eine schöne version von peter pan am schauspielhaus bochum zur premiere. das team um martina van boxen herum hat auch dieses jahr wieder das wunder vollbracht, aus 85 schüler*innen einen kompletten theaterkosmos zu erschaffen – leider zum letzten mal.

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8. juni

seit jahren möchte ich mal ein stück von „forced entertainment“ sehen. bei „out of order“ im pact zollverein passen endlich der tourplan und mein terminkalender zusammen und ich bin beeindruckt von der genauigkeit der gesellschaftsanalyse, die völlig ohne worte die abgründe der gruppendynamik aufs korn nimmt.

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3. juni

die premiere von „nur die harten (kommen in den garten)“ im theater oberhausen ist eine gelungene rückschau auf die sogenannte flüchtlingskrise. zwischen zynismus, harter realität und idealismus ist sogar noch platz für schlager und punk.

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18. mai

im rahmen der kulturellen landpartie im wendland schaue ich mir das neue programm der kabarettistin sunna huygen an. „horizont – geschnitten oder am stück“ ist wieder ein gelungener abend, wie gewohnt bissig, klug, politisch und poetisch.

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6. mai

nach einer erfolgreichen und inspirierenden bundesweiten ensembleversammung, bei der es auch das erste treffen des regienetzwerks gab, zieht die parade der darstellenden künste laut, bunt, glitzernd und fordernd durch die bochumer innenstadt.

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22. april

mit wahnsinnig viel energie und ein bisschen wehmut wird beim heidelberger stückemarkt die derniere meiner inszenierung „pussy riots“ über die bühne gejagt.
so ein tolles ensemble, so ein super team!

schön wars!

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21. april

die premiere von fall der götter am schauspiel essen spaltet zwar das publikum, aber ich gehöre zu denen, die restlos begeistert sind! die brachiale, bildgewaltige inszenierung von jan neumann lässt tief in die individuellen und geschichtlichen abgründe der menschheit gucken.

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19. april

für die inszenierung eines thomas köck textes ist paradies fluten am DT göttingen fast schon leicht zugänglich und verständlich geraten. trotzdem liefert die einführung hilfreiche details um dem abend entspannt folgen zu können, so dass ich viel spaß an der köckschen sprache und weltsicht habe – auch wenn das thema des stückes nicht gerade zum freuen einlädt.
kein mensch mehr in sicht vom bühnenrand aus.

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12. april

melancholia am schauspielhaus bochum bringt den weltuntergang auf die bühne. das licht ist toll und ich sympathisiere mit dem planet, der die menschheit am ende erledigt.

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7. april

die premiere von time to close your eyes am schauspielhaus bochum nimmt mich mit auf eine collagierte reise vom schlaf zum tod. manches berührt, manches belustigt.

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4. april

bei tartuffe im schauspielhaus bochum hat der größte teil des publikums sehr viel spaß. meinen humor trifft die inszenierung nicht, aber es ist schön, den schauspieler*innen anzumerken, dass sie spaß am übertreiben haben.

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30. märz

ich hatte theaterkarten in hamburg reserviert – und hab sie dann doch wieder abgesagt. stattdessen habe ich mit meinen nichten gespielt, was auch jede menge mit theater zu tun hatte.

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29. märz

auerhaus am stadttheater ist eine sehr gelungene inszenierung geworden! mit ganz wenigen mitteln wird die geschichte berührend, feinfühlig und nicht zuletzt lustig von einem tollen ensemble erzählt.

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21. märz

die orestie am düsseldorfer schauspielhaus bietet alles, was man von einer orstie erwartet: dunkelheit, gewalt, ein gut gearbeiteter chor und viel kunstblut. yeah! die aktuelle bezüge waren mir aber ein wenig zu dick aufgetragen – etwas subtiler subtext wäre in der brachialen inszenierung schön gewesen.

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16. märz

die kriegerin am westfälischen landestheater führt mir und dem jugendlichen publikum um mich herum sehr eindrücklich vor augen wie verführerisch es sein kann teil einer starken gruppe zu sein – auch, wenn es dabei tief in den menschenverachtenden, rechtsradikalen sumpf geht…

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15. märz

ich schaue mir die von susanne kennedy inszenierte berlin-premiere der selbstmord-schwestern in der volksbühne an und werde voll und ganz in die ritualhafte psychodelik der inszenierung gesogen. eine beeindruckende regiehandschrift!

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15. märz

dem luxus der spontanität folgend verbringe ich den vormittag in berlin im museum hamburger bahnhof und nehme an einer öffentlichen führung teil. zu dritt stehen wir assoziierend vor der installation „richtkräfte einer neuen gesellschaft“ von joseph beuys. ich lerne mehr über den künstler, beginne zusammenhänge zu verstehen, freue mich über erkenntnisse und stelle wieder einmal fest: ich bin einfach das kind meiner eltern.

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11. märz

burning issues, die 1. bundesweite konferenz der theatermacherinnen, ist ein großartiges erlebnis! ein aufregender, inspirierender, inhaltlich voller und diverser tag, der lust darauf macht, gerade jetzt und gerade hier eine theatermacherin zu sein. die zeit ist reif.


(foto von thilo beu, theater bonn)

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2. märz

irrungen, wirrungen am DT in göttingen ist zwar rein kostüm-ästhetisch nicht so meins, doch ist die inszenierung mit permanentem rollenwechsel und einer mal blickdichten, mal blickdurchlässigen spiegelwand ist für mich eine interessante und vielschichtig umgesetzte romanadaption.

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28. feb

die grippewelle überrollt einige geplante theaterabende. gute besserung allen kolleg*innen und vor allem: gute nerven den menschen, die die umbesetzungen und vorstellungsänderungen planen und umsetzen!

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23. feb
auch das ein spannendes bühnenerlebnis: deine freunde spielen ein konzert in wiesbaden. ihre mission: guter hiphop. ihre zielgruppe: 4-12 jährige.
ich bin mit meinen nichten da und begeistert davon, wie gut die band das „drumherum“ eines professionellen konzerts auf das kleine publikum angepasst hat: kindertanzbereich mit erwachsenenverbot, vorbereitete handynummernbändchen für alle kinderhandgelenke, ausgebildete erzieher*innen die verloren gegangene kinder im notfall in empfang nehmen und an die angerufenen begleitpersonen zurückgeben, musik in ganz angenehmer dezibelzahl. und trotzdem: fette beats und eine der besten bühnenlichtshows, die ich seit langem gesehen habe!

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21. feb
öffentliche probe von metropolis am schauspiel essen – das genre nennt sich live animationsfilm und entpuppt sich als eine schöne spielart zwischen projektionen, schauspiel, illusion, handgemachtem und technisch ausgefeiltem.

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20.feb

der prinz, der bettelknabe und das kapital“ hat premiere in essen. nachdem ich schon eine probe auf der anderen seite des durch eine mauer getrennten zuschauerraums gesehen habe, erlebe ich in der premiere nun nahezu ein anderes stück. schön, dass das bühnenkonzept so gut aufgeht. auch wenn ich nicht mit jeder inszenierungsentscheidung einverstanden bin kann ich mich dem nachtkritiker anschießen: „Auch wenn sie gelegentlich etwas zu plakativ wirkt, gibt die Aufführung viel Raum für Energien, Hoffnungen und Wünsche und rückt damit dem Publikum energisch auf den Leib.“

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15. feb

antigone“ am theater mönchengladbach ist sehr gradlinig erzählt – es gibt in der griechischen antike eben kein entrinnen.

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14. feb

die ausstellung „dis/order“ im ludwigsforum aachen ist für mich wie ein wiedersehen mit alten bekannten aus der recherche zu „pussy riots“. mich beeindruckt aufs neue, wie viel subversiven widerstand es in russland gibt.

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wenn mal richtig not auf der probe ist: hier liegt die datei der „wunderszene“.

(gesehen auf dem computer im assistentinnenbüro im schauspielhaus bochum)

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3. feb

(m)ein ehemaliger regieassistent gibt mit „die erstaunlichen abenteuer der maulina schmitt“ sein regiedebüt in essen. herzlichen glückwunsch, tobi! auch wenn ich etwas bedrückt rausgehe und denke: kind sein ist wahrhaftig nicht einfach…

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2. feb

in bochum feiert „jugend ohne gott“ premiere.

ich habe die produktion als assistentin begleitet und freue mich zu sehen, wie sich das ensemble in den letzten probentagen das stück zu eigen gemacht hat.

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16. jan

ich erlebe das „pussy riot theatre“ in berlin. eine performance wie ein güterzug, der mich überrollt. am ende bin ich beeindruckt, bewegt und nass.

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11. jan

heute mittag zwischen bühnenprobe und toneinrichung in der kantine des bochumer schauspielhauses – was wäre das theater nur ohne die menschen, die die kantinen beleben?

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unumstößliche theatergesetze: in einer gut gelaunten dispositzung wird über die bevorstehende geburt eines kindes und die damit terminlich zusammenhängende umbesetzung eines elternteils gesprochen. jemand schlägt vor: „schreib die geburt doch auf den tagesplan, dann wird das kind auf jeden fall pünktlich zur welt kommen“.

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16. dez

schimmelmanns – verfall einer gesellschaft am theater oberhausen wird als „nazi-horror-boulevard-dramödie“ angekündigt. klingt doch perfekt für einen abendlichen theaterausflug in die nachbarstadt!

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15. dez

mit paradies spielen. ein abgesang beendet der autor thomas köck seine trilogie. zusammen mit einem kleinen „fanclub“ aus menschen, die teile der trilogie kennen und umgesetzt haben, schaue ich mir die gelungene premiere/UA am nationaltheater mannheim an und freue mich, nun alle teile zu kennen. ein nicht unkompliziertes, aber sprachlich und inhaltlich sehr spannendes werk!

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12. dez

ich lerne ein neues niederländisches wort:  „stokstaartjes“ sind erdmännchen. was für ein schönes, sinnbildliches wort für tiere, die wache haltend stockstarr in der prärie stehen.

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11. dez

weihnachtsmärchen 5: a christmas carol überzeugte mich zwar in der umsetzung nicht so sehr, trotzdem brachte das gastspiel am schauspielhaus bochum für mich ein wenig weihnachtsstimmung mit.

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4. dez

empire ist zu gast im schauspielhaus bochum. beeindruckend, die intensität eines milo rau abends mal in echt statt am bildschirm zu erleben.

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3. dez

weißes kaninchen, rotes kaninchen ist ein spannendes theaterexperiment

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2. dez

volksverräter!! im schauspielhaus bochum – hermann schmidt-rahmer strikes again. spätestens jetzt bin ich fan!

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1.dez

auch beim zweiten mal beeindruckt mich der ballettabend 3 by ekman im aalto theater essen und zieht mich in den anregenden bewegungsstrudel.  leider war heute die derniere.

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29. nov

willkommen am schauspiel essen gibt mir ein paar fragen mit auf den heimweg.                   wie bequem darf politisches engagement sein?

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28.nov

museum folkwang: balthasar burkhard

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24. nov

im dt göttingen erkenne ich in wasted meine generation wieder – und das ist nicht unbedingt positiv… ein spannender text von kate tempest, als deutschsprachige erstaufführung in der übersetzung von judith holofernes.

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23. nov

wintermärchen 4: pinocchio in bremerhaven hat mich total begeistert. eine kurzweilige, berührende, lustige, virtuose inszenierung voller theatermagie.

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neben mir in der fußgängerzone sagt jemand zur begleitung „also nur pommes ohne wurst zu verkaufen das macht doch keinen sinn.“

ich mag alltagspoesie.

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11. nov

wintermärchen 3: jupp – ein maulwurf auf dem weg nach oben eröffnete in essen die diesjährige märchenrunde.

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10. nov

bei männer, die denken am theater oberhausen freue ich mich, dass diese themen gerade die bühne erobern. mehr davon!

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5. nov

wintermärchen 2: ich bin zu gast bei den wilden kerlen am deutschen theater in göttingen und würde gern weiter mit ihnen durch den wald toben. aber zu hause wartet das essen. zum glück. und es ist noch warm.

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27. okt

ich freue mich, dass meine projektidee „ÖPNV-geschichten“ für den urbanana award nominiert wurde!

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…es gibt so tage…

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impression aus meiner nachbarschaft

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13. okt

wintermärchen 1: kindheitserinnerungen bei hänsel und gretel im stadttheater mönchengladbach

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11. okt

ein stück, das richtig weh tut: balkan macht frei am residenztheater in münchen. gut, dass theater sowas noch kann!

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fürs kopfkino:

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8. okt

„kein mensch mehr zu sehen vom bühnenrand aus“

ohne viele weitere worte: die premiere von paradies fluten in augsburg war auf allen ebenen beeindruckend!

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an zwei aufeinander folgenden tagen gibt es einen notfall im zug. „wenn eine ärztin im zug ist kommen sie bitte in wagen…“. der ice hält ausserplanmäßig für unbestimmte zeit. gemeinsam mit den mitfahrenden ist mein erster gedanke „oh mist, ich verpasse den anschluss und komme später an! wie blöd!“. dann setzt der verstand ein: eine etwas spätere ankunft im vergleich zu einem medizinischen notfall !? manchmal braucht es offenbar einen kleinen schubser, um meine wahrnehmung der relationen zwischen mir und der welt wieder gerade zu rücken.

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3. okt

ein bekannter, den ich vor 4 jahren das letzte mal auf der bühne gesehen habe, spielt nuanciert und vielschichtig den winston in 1984 am schauspielhaus salzburg. ein sehr schönes privates und theatrales wiedersehen!

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30. sept

die stadthalle marburg wird an die grenzen ihrer technischen kapazitäten gebracht, wenn die ritter der tafelrunde mit ihren kokosnüssen über die bühne galoppieren. spamalot ist ein unterhaltsames spektakel geworden und die premierenfeier danach war ein rauschendes fest in mitten lieber, alter kollegInnen.

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29. sept

eine bahnansage, die den alltag von theaterschaffenden beherzigt                                           „…und ein schönes wochenende allen, die eines haben.“

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29. sept

vereinte nationen am deutschen theater göttingen dreht den selbstverwirklichungswahnsinn der social media ins scheinbar absurde wenn die eltern einer siebenjährigen ihre erziehungsmethoden mit versteckter kamera filmen und die videos als erziehungsratgeber im internet verkaufen – aber wie absurd ist sowas tatsächlich noch…?

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28. sept

tief einatmen und abtauchen bei der öffentlichen probe zu unter w@sser . eine ehemalige kollegin inszenierte, ich tauche ein in die lebensrealität der heutigen teenies, bin berührt und heilfroh, nicht noch mal jugendlich sein zu müssen.

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24. sept     wahlsonntag.

„stellen wir uns die welt als theater vor. (…) ein großteil des weltenschicksals wird auf dieser bühne entschieden, im rampenlicht, und die akteure werden einem weismachen, dass dort alles entschieden wird, dass es gar keinen anderen ort gibt. unabhängig von den details und den ergebnissen ist das, was auf der bühne stattfindet, eine tragödie, die tragödie der ungerechten aufteilung von macht, die tragödie des zu häufigen schweigens derjenigen, die sich mit der zuschauerrolle abfinden und den preis für dieses drama bezahlen. (…) wenden wir uns um. lernen wir, im dunkeln zu sehen, schenken wir den phantasievollen schauplätzen aufmerksamkeit, auf denen abseits der zentralen bühne politische macht ausgeübt wird, oder ändern wir den inhalt des dramas.“

aus „hoffnung in der dunkleheit“ von rebecca solnit

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23. sept

diesmal nur als besucherin genieße ich die wunderschöne, freie atmosphäre beim theaterfest des bochumer schauspielhauses. ein frischer wind weht durchs ganze haus und macht lust auf die beginnende spielzeit unter der leitung von olaf kröck und seinem team.                      abends kämpft sich maria stuart über die bühne und spaltet die meinungen des publikums, was danach auf der premierenfeier aber trotzdem zusammen tanzen kann.

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22. sept

premiere in bochum: wir müssen reden . wenn die familie wirklich die keimzelle des staates ist lässt dieses stück nicht viel grund zur hoffnung.

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18. sept

bahnansage: „der anschlusszug auf gleis 7 kann leider nicht auf uns warten – aber sie haben 4 noch minuten. die hoffnung stirbt zuletzt!“

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16. sept

großer trubel rund ums grillo beim theaterfest des schauspiel essen. ich freu mich als freie mitarbeiterin über leuchtende augen am luftballonstand und interessierte nachfragen bei theaterführungen – immer wieder spannend zu sehen, wie viel faszination der blick hinter die kulissen, der für mich so alltäglich ist, für viele menschen immer noch bietet.                  abends staune ich mit allen anderen zusammen über die 4 quadratmeter große geburtstagstorte.

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15. sept

mit einem großen festakt aller TUP-sparten wurde das 125jährige jubiläum des grillos gefeiert. schön, ein teil davon zu sein – alles gute, altes haus!

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14. sept

bei der premiere des stadttheaters bremerhaven habe ich in der kneipe kapovaz mit howie und rookie gefeixt und gelitten. was so locker begann endete tragisch und nachdenklich.

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13. sept

„der weltverbesserer“, ebenfalls in marburg gesehen, hätte mich im echten leben zur weißglut getrieben. aus publikumsperspektive konnte ich aber entspannte freude am monologisierenden seinsverächter haben.

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12.sept

„libussa“ am hessischen landestheater marburg gesehen – vertraute gesichter und eine wohlbekannte regie- und bühnenhandschrift, zudem ein interessanter abend und eine mutige spielzeiteröffnung.

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8. sept

i did, stephen.                                                                                                                                     …und wahrscheinlich wird das das einzige bleiben, was ich jemals entspannt von dir lesen kann.

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4. september: vollgestopft mit eindrücken vom at.tension-festival.  viel gutes auf bühnen, im gras, in der luft und in zirkuszelten gesehen und den regieblick geschärft.

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31. august: ein dreijähriger malt ein bild auf meine hand und sagt „das bist du.“

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28. august:

mit herzlichsten grüßen aus essen…